Treatwell nimmt 15% bis 25% Provision pro Termin über den Marketplace. Bei €10.000 Monatsumsatz sind das €1.500-2.500. In diesem Leitfaden zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie zu Ihrem eigenen CRM wechseln, Ihre Kunden behalten und €39/Monat fix bezahlen.
Lesedauer: ~10 Minuten · Aktualisiert: Mai 2026
Treatwell ist Europas grösster Beauty-Marketplace. Die Plattform bringt nachweislich Kunden und hilft, freie Slots im Kalender zu füllen — vor allem für neue Studios. Das ist ihre Stärke. Doch für jeden Termin über den Marketplace fällt eine Provision an. Und genau dieses Modell wird teuer, sobald Ihr Studio wächst.
Laut öffentlichen Vergleichsportalen und Beauty-Industry-Reviews verwendet Treatwell zwei Modelle: ~25-30% für Neukunden aus dem Marketplace und ~2,5% für wiederkehrende Kunden. Im Mischmodell ergibt sich ein Durchschnitt von rund 15%. Diese Zahl taucht in Foren, in Erfahrungsberichten von Studio-Inhabern und in Vergleichsanalysen immer wieder auf.
Bei 5-10 Terminen pro Tag und überwiegend Stammkunden wirkt der Aufschlag klein. Sobald Sie auf 25-30 Termine pro Tag mit einem Durchschnittsbon von €40-60 wachsen, werden die Beträge spürbar. Genau dann beginnen Studio-Inhaber, eine Treatwell-Alternative für Nagelstudios zu suchen.
Hier die Rechnung am konkreten Beispiel: ein Wiener Nagelstudio mit Durchschnittsbon €40 und 25 Arbeitstagen pro Monat. Annahme: 80% der Kunden buchen über Treatwell (gemischt aus Neukunden und wiederkehrenden Marketplace-Buchungen).
Die Zahlen sind Richtwerte — die tatsächliche Provision hängt von Ihrem Treatwell-Vertrag, dem Neukundenanteil und Ihrem Servicepaket ab. Aber die Grössenordnung ist klar: Mit jedem Wachstum geben Sie dem Marketplace mehr ab — bei gleichem Funktionsumfang.
Treatwell ist primär ein Buchungskanal. Es enthält einen einfachen Kalender und eine grundlegende Kundenliste, aber es ist kein vollwertiges CRM. Wenn Ihr Studio bereits stabil läuft und Sie Ihr Geschäft systematisch führen wollen, brauchen Sie vier Ebenen.
Bei Treatwell sind Kundendaten technisch im System der Plattform. Ein Teil (Name, E-Mail) lässt sich exportieren, doch Besuchshistorie, Notizen und Kommunikation bleiben auf dem Marketplace. Wenn Sie wechseln, müssen Sie die Verbindung zum Kunden manuell wiederherstellen. In Ihrem eigenen CRM gehört die Datenbank Ihnen: Kontakte, Historie, Notizen, Geburtstage, Rabatte — alles ist Ihr Asset.
Treatwell zeigt Ihnen Termine und Beträge. Aber Kasse, Ausgaben, Bankbestände, Periodengewinn, Materialkosten — all das findet ausserhalb der Plattform statt. Meist wird parallel Excel geführt oder gar nicht gerechnet. Ein vollständiges CRM deckt Finanzen komplett ab: Kasse mit Belegen, Ausgaben nach Kategorien, Gewinn-und-Verlust-Bericht.
Gellacke, Basis-Lacke, Topgels, Verbrauchsmaterial — bei 5-10 Mitarbeitern sind das Dutzende SKUs. Ohne Lager zahlen Sie entweder zu viel für Notbestellungen oder verlieren Termine wegen Materialmangel. Ein CRM mit Lagermodul bucht Material automatisch zu jeder Dienstleistung ab und warnt bei niedrigen Beständen.
Welche Mitarbeiter erwirtschaften den höchsten Umsatz? Welche Dienstleistungen wachsen, welche stagnieren? Welche Kunden waren lange nicht da und sollten zurückgewonnen werden? Antworten darauf bedeuten 10-20% mehr Umsatz ohne Zusatzkosten. Bei Treatwell fehlt diese Ebene komplett.
Der häufigste Grund, den Wechsel hinauszuzögern, ist die Angst, Kunden zu verlieren oder den Kalender mitten in der Hochsaison zu zerschiessen. Der Plan unten ist so aufgebaut, dass der Wechsel reibungslos verläuft. In jedem Schritt bedienen Sie Ihre Kunden weiterhin wie gewohnt.
Loggen Sie sich in Treatwell Connect ein → Customers → Export. Laden Sie die CSV-Datei mit Ihrer Kundenliste herunter. Exportieren Sie zusätzlich die Buchungshistorie der letzten 12 Monate — sie hilft später bei der Analyse und beim Reaktivieren von Kunden, die schon länger nicht da waren.
Was in der Datei sein sollte: Name, Telefon, E-Mail, letzter Besuch, Lieblingsservice, Notizen. Die meisten Felder werden automatisch exportiert.
SalonCRM hat einen CSV-Import. Sie laden die Datei hoch — das System ordnet die Felder automatisch zu. Falls etwas nicht passt (z.B. Telefonformat), können Sie es vor dem finalen Speichern anpassen. Im Studio-Pro-Tarif übernehmen wir die Migration: Sie schicken die Datei, wir bereiten alles vor und prüfen es.
Schalten Sie Treatwell nicht sofort ab. Lassen Sie beide Systeme einen Monat parallel laufen: Neukunden tragen Sie in Ihr CRM ein, Treatwell-Buchungen bleiben in der Plattform. So gewöhnen Sie sich an die Oberfläche und fangen kleine Probleme rechtzeitig ab.
In diesem Monat zahlen Sie weiter Provision an Treatwell, aber Sie bekommen einen sauberen Vergleich «vorher und nachher» — Sie sehen, wie viel tatsächlich über jeden Kanal lief.
Zwei Wochen nach dem Start beginnen Sie, Stammkunden sanft auf das neue System umzulenken. Mögliche Wege:
Sie müssen nicht laut über den «Wechsel weg von Treatwell» sprechen. Lenken Sie einfach die Kommunikation um. Stammkunden machen den Wechsel mühelos mit, weil sie Ihrem Studio und Ihrer Mitarbeiterin treu sind, nicht der Plattform.
Nach 6-8 Wochen sehen Sie in den Kennzahlen, wie viele Kunden tatsächlich über den Marketplace kamen. Zwei Optionen:
| SalonCRM | Treatwell | |
|---|---|---|
| Provision pro Termin | 0% | ~15% (bis 25-30% bei Neukunden) |
| Abonnement | €39 / Monat | ab €0 (paketabhängig) |
| Kundendatenbank | Vollständig bei Ihnen | Auf der Plattform |
| Kasse mit Belegen | Ja, AT/DE-konform | Nein |
| Materiallager | Ja | Nein |
| Finanzberichte | Ja, periodisch | Basis-Buchungsstatistik |
| Marketplace zur Akquise | Nein | Ja, Stärke der Plattform |
| Deutschsprachige Oberfläche | Ja | Ja |
| Support | Direkter Kontakt, Wien | Tickets |
Wir sind ehrlich: Treatwell hat eine echte Stärke — den Marketplace. Wenn Ihr Studio gerade erst geöffnet hat und keine Stammkundenbasis besitzt, hilft Treatwell tatsächlich, die ersten Kunden zu gewinnen. Sobald Sie aber einen stabilen Strom an Stammkunden haben, kippt die Wirtschaftlichkeit zugunsten eines eigenen CRM.
Ehrlich gesagt: Nicht für jedes Studio ist der Wechsel sofort sinnvoll. Bleiben Sie noch bei der Plattform, wenn:
In allen anderen Fällen lohnt sich zumindest die Rechnung. Nehmen Sie Ihre Provision der letzten 3 Monate und vergleichen Sie mit €39-79 pro Monat. Oft deckt die Differenz das Gehalt einer weiteren Mitarbeiterin.
SalonCRM ist nicht der einzige Weg. Damit Ihre Entscheidung fundiert ist, schauen wir kurz auf die wichtigsten Player am Markt und welche Modelle dahinterstehen.
Ähnliches Modell wie Treatwell: Marketplace plus Buchungstool. Stärker in den USA, Polen und im russischsprachigen DACH-Raum verbreitet. Verlangt Provision für Neukunden (Booksy Boost) sowie eine Basis-Abogebühr. Wenn Sie einen Marketplace-Kanal brauchen, kann ein Vergleich der Konditionen mit Treatwell sinnvoll sein.
Eine weitere bekannte Plattform. Das Abo selbst ist kostenlos; verdient wird über Zahlungsabwicklung (rund 2-3% pro Kartenzahlung) und Premium-Funktionen. Das Modell liegt nahe an einer «kostenlosen CRM mit Kasse», ist aber an deren Payment-Provider gekoppelt. Geeignet für Studios, die ihre Kartenzahlung über Fresha laufen lassen wollen und kein separates Terminal nutzen.
Niederländischer Anbieter, ohne Provisionen, Festpreisabo €30-65/Monat je nach Tarif. Modellbedingt am ehesten vergleichbar mit SalonCRM — allerdings ohne russischsprachige Oberfläche und ohne expliziten österreichischen RKSV-Fokus. Mehr im Vergleich SalonCRM vs Salonized.
Kostenlos. Funktioniert die ersten Monate für eine einzelne Mitarbeiterin. Aber sobald Sie 3+ Mitarbeiterinnen haben, ein Lager mit über 30 SKUs führen und einen Kundenstrom von 50+ pro Monat verarbeiten, bricht das Excel-Setup: Doppeltermine, vergessene Kunden, Stunden für manuelle Auswertungen. Für ein wachsendes Studio nicht geeignet.
Wenn ein Studio Termine über einen Marketplace bucht, liegen die Daten rechtlich und technisch im System der Plattform. Das ist nichts Schlechtes — dafür zahlen Sie auch die Provision. Aber: Über die Kundendaten (Telefon, E-Mail, Besuchshistorie, Vorlieben) verfügt die Plattform. Einen Teil können Sie als CSV exportieren, doch der Kommunikationskanal selbst — App-Nachrichten, Push-Benachrichtigungen, Reminder — gehört Treatwell oder Booksy.
In Ihrem eigenen CRM kehrt sich das Verhältnis um. Kontakte, Historie, Notizen, Bilder von Arbeiten, Rabatte und Geburtstage werden zu Ihrem Asset, das Sie für eigenes Marketing nutzen können: Geburtstags-Mails, Reaktivierung «schlafender» Kunden nach 6 Wochen Inaktivität, persönliche VIP-Aktionen. Diese Mechaniken funktionieren in anderen Branchen seit Jahrzehnten und bringen typischerweise 15-30% zusätzlichen Umsatz — sind aber nicht nutzbar, solange die Kundendaten nicht bei Ihnen liegen.
Die Provision ist die sichtbarste Kostenposition. Es gibt aber auch versteckte:
Diese Kosten sind schwer in Zahlen zu fassen, aber real. Besonders sobald Sie skalieren wollen — zweiter Standort, Ausbildung anbieten, Produkte verkaufen — bremst das Marketplace-Modell, während ein eigenes CRM beschleunigt.
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